Zunächst einmal sorry, dass es die letzten zwei Tage keinen Newsletter gab – dafür persönliche Gründe. Ab sofort bin ich aber wieder täglich für euch da.

Was ist in den letzten Tagen beim VfB passiert?

Heute gab Thomas Hitzlsperger in der Süddeutschen ein ausführliches Interview. Er wurde dabei mehrfach auf seine Rolle in der Datenaffäre angesprochen und außerdem dreimal zu seiner Bewerbung als Präsidentschaftskandidat gefragt. Zu beiden Themen hatte er nur ausweichende Antworten parat. Das Interview gibt’s hier (€).

Kommunikationschef Oliver Schraft und sein Kollege und Marketingchef Uwe Fischer wurden beide entlassen. Laut Pressegespräch mit Hitzlsperger wurden beide am Mittwochabend über die Entscheidung informiert. Es ist wohl arbeitsrechtlich auch so sicher gewesen, dass die beiden ihre Kündigung direkt überreicht bekommen haben, obwohl Hitzlsperger selbst ja eigentlich alles dafür tun wollte, dass Schraft seinen Job behalten kann. Soweit man das von außen beurteilen kann, müssen ihre Fehlleistungen wohl massiv gewesen sein und nicht nur in die Kategorie „Kavaliersdelikt“ fallen.

Bekannt war bisher über den Datenskandal, dass insgesamt drei Mails mit Mitgliederdaten weitergegeben wurden, zwei vor Inkrafttreten der aktuellen DSGVO und eine danach. Und diese danach sorgt jetzt für großes Aufsehen, denn der Kicker berichtet, dass insgesamt 100.000 Datensätze (bei unter 70.000 Mitgliedern, also aufgefüllt mit dem VfB-eigenen Forum) per Mail weitergegeben wurden und laut Esecon-Bericht diese Mail spurlos verschwunden war und erst durch Mithilfe vom Landesdatenschutzbeauftragten Brink wieder aufgetaucht ist oder wiederhergestellt werden konnte. Esecon geht tatsächlich von einer aktiven Vertuschung aus, ohne allerdings sagen zu können, wer dafür verantwortlich ist.

Die Stuttgarter Zeitung berichtet, dass eine der vielen offenen Stellen des VfB prominent besetzt werden soll: Cem Özdemir, langjähriges Mitglied und Bundestagsabgeordneter aus Stuttgart für die Grünen, soll wohl einen Platz im Aufsichtsrat der AG besetzen. In meinen Augen ein großer Gewinn für den VfB, weil er einerseits bekannt ist für seine Unbestechlichkeit, seine klare Haltung zu gesellschaftspolitischen Themen, er einen modernen VfB wie auch Claus Vogt und Thomas Hitzlsperger vertreten würde, er eine langjährige Verbundenheit zum VfB hat und auch auf den allermeisten Mitgliederversammlungen tatsächlich anwesend ist. Seine Ernennung konnte natürlich kontrovers diskutiert werden, weil er ein Politiker ist, aber letztendlich wäre er ein großer Gewinn für den Verein und auch wenn seine politische Haltung einem nicht passen sollte – sie ist heutzutage deutlich weniger kontrovers als die eines Mayer-Vorfelders es heute wäre, der sich nicht unbedingt durch weltoffene Parolen einen Namen in der Politik gemacht hat. Eine kurze (selbstverständlich nicht-repräsentative) Umfrage im Telegram-Kanal zeigt, dass 77% der Follower:innen (bei 31 Stimmen nach 1h) eine Ernennung begrüßen würden.

Kurz vor Schluss – das werden die meisten von euch gestern nicht mehr gesehen haben – wurde noch bekannt, dass quasi die gesamte Schalker Mannschaft ihren Trainer Christian Gross (den man auch in Stuttgart kennt) loswerden will. Er verwechsle Spieler, spreche sie in der falschen Sprache an, seine Trainingsmethoden wären rückständig und aus der Zeit gefallen und sein Physio wäre mit schuld daran, dass es so viele Verletzte gäbe.

Was wird heute wichtig?

Beim VfB geht es wieder hoch her. Für Thomas Hitzlsperger steht jetzt noch eine Entscheidung bezüglich Rainer Mutschler an, der zwar aus dem Präsidium des e.V. zurückgetreten ist, allerdings noch bei der AG angestellt ist. Im Pressegespräch deutete Hitzlsperger an, dass hier noch etwas geschehen könnte.

Außerdem warten wir auf die Meldung bezüglich Özdemir / AG-AR.

Und wir warten darauf, ob der Bericht von Esecon wie von Vogt gefordert online gestellt wird oder wie von Hitzlsperger vorgeschlagen (in Corona-Zeiten, also echt?) auf der Geschäftsstelle zur Ansicht ausgelegt wird.

Wir erwarten außerdem die Entwicklung der Lage auf Schalke, wo die sportliche Führung zunächst gegen eine sofortige Entlassung von Gross ist, auch, weil niemand anderes seinen Job übernehmen will und alle Co-Trainer und sonstigen Kandidaten abgelehnt hätten.

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